2. November 2017: Die Retter historischer Gebäude

Kulturstandort Beuel - Denkmal- und Geschichtsverein setzt sich für Erbe Beuels ein

Kultur ist ein weites Feld und umfasst weit mehr als etwa die bildende und darstellende Kunst, auf die der Begriff gerne beschränkt wird. Auch das Wirken des Denkmal- und Geschichtsvereins Bonn-Rechtsrheinisch gehört zur Kultur in Beuel. Über die Motivation, diesen Verein zu gründen und ihn im Beueler Kulturleben zu etablieren, sprach der Vorsitzende Carl Jakob Bachem mit Rainer Schmidt.

Aus welchem Anlass wurde der Denkmal- und Geschichtsverein gegründet?
Carl Jakob Bachem: Das war vor 40 Jahren das Mehlemsche Haus, das von fortschreitendem Verfall bedroht war. Allein zu seiner Rettung wurde unser Verein 1975 unter dem Vorsitz der jungen Stadtverordneten Ruth Hieronymi ins Leben gerufen.

Aber es gab doch bereits den „Heimat- und Geschichtsverein Beuel am Rhein“. Was unterscheidet diese beiden Vereine voneinander?
Bachem: In der Tat gab es den „Heimatverein Beuel am Rhein“, der damals schon die klassische Heimat- und Brauchtumspflege betrieb. Unser Verein hat dagegen einen wesentlich anderen Ansatz. Wir wollen kritisch-anregend bei allen öffentlichen Belangen mitwirken, soweit sie einschlägig die historische Identität unseres Stadtbezirks betreffen. Selbst der damalige Vorsitzende des Heimatvereins, Professor Neu, hat dies als dringlich betrachtet und eshalb sogar den stellvertretenden Vorsitz bei uns übernommen.

Was sind die Ziele des Denkmal- und Geschichtsvereins?
Bachem: Wir betreiben aktive Geschichts-, Denkmal- und Kulturlandschaftspflege und tun das wie eine Art "kulturelle Bürgerinitiative". Wir sehen uns quasi als Lobbyisten für Denkmal und Geschichte in unserem Stadtbezirk.

Und was haben Sie bisher erreicht?
Bachem: Inzwischen dürfte es schon eine erkleckliche Zahl von Gebäuden wie von Kleindenkmälern, Wegekreuzen und Grabstätten sein, die wir vor dem Untergang gerettet haben. Das Mehlemsche und das Stroofsche Haus sind wohl unsere bekanntesten Erfolge. Aber auch die denkmalgeschützten Hallen der Jutespinnerei gäbe es ohne uns nicht mehr, die Stadt wollte sie ja plattmachen. Initiativ haben wir beispielsweise auf der Ennerthardt den Geschichtsweg „Braunkohle + Alaun“ errichtet, auf dem Finkenberg eine Großskulptur und auf dem Rheindamm das Römerdenkmal. In Vilich konnten wir den großen Stiftstorbogen von 1616 wieder aufbauen. Im Übrigen gibt unser Verein zwei Publikationsreihen heraus. Und besonders wichtig: wir unterhalten die Kulturstätte Bürgermeister-Stroof-Haus als Museum und als historische Forschungs-, Bildungs- und Begegnungsstätte mit Bibliothek und Archiven, auch mit der „Beueler Zentralstelle für Familienforschung“. Nicht zu vergessen auch unsere regelmäßigen Veranstaltungen und die vielen Expertisen, die wir verfassen. Alles kostenlos für jedermann.

Jetzt sind Ihre bisherigen Projekte ja nicht gerade solche, die man aus der Portokasse bezahlen kann. Wie finanziert sich der Verein?
Bachem: Unsere Mitglieder, inzwischen an die 240, greifen dafür gerne etwas tiefer in die Tasche, und es gibt immer wieder auch großherzige Sponsoren, die von unserer Arbeit überzeugt sind. Unser Vorteil ist auch, dass wir null Personal- und praktisch keine Verwaltungskosten haben. Alles geschieht ja ehrenamtlich.

Haben Sie bereits weitere Projekte im Auge?
Bachem: Dicke Geschichtsbücher liest heute niemand mehr, doch für kurze, kompakte Informationen sind die meisten Bürger weiterhin empfänglich. Aus diesem Grunde haben wir mit einer systematischen Kennzeichnungsaktion der Denkmäler und der historischen Stätten unseres Stadtbezirks begonnen. Des Weiteren liegt uns seit Langem das kulturelle Erbe unserer Friedhöfe am Herzen, die in erschreckendem Maße an Charakter und Substanz einbüßen. Und natürlich bleiben wir unseren alten Projekten verpflichtet, so auch und nicht zuletzt der denkmalgerechten Aufwertung der Limpericher Burg.

Wo ordnen Sie sich im „Kulturstandort Beuel“ ein?
Bachem: Im Wesentlichen erforschen wir das historische Erbe unseres Stadtbezirks und treten für den Erhalt seiner greifbaren Zeugnisse ein, naturgemäß vor allem der Denkmäler. Damit verbunden bemühen wir uns, diesen Komplex im Bewusstsein der Bürgerschaft zu verankern - er muss Teil unserer Identität in Beuel sein. Das betrachten wir als Kulturarbeit im besten Sinne des Wortes!

Dieses Interview erschien am 2. November 2017 im Bonner General-Anzeiger.

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