Die vermutlich bedeutendsten Funde im Gebiet des heutigen Stadtbezirk Beuel sind zweifellos die 1914 am Oberkasseler Stingenberg entdeckten Skelette eines Mannes, einer Frau und eines Hundes aus der späten Eiszeit. Sie haben unserem Oberkassel inzwischen in der Wissenschaft weltweiten Ruhm eingetragen. Mit 14.000 Jahren handelt es sich um die annähernd ältesten modernen Menschen Deutschlands überhaupt. Auch der Hund ist einer der ältesten seiner Art. Die jüngst erfolgten neuen Forschungen haben wesentliche weitere Erkenntnisse erbracht.

Auch in der Bronze- und Eisenzeit, 2.000 bis 1. Jahrhundert vor Christi Geburt, haben sich in unserer Gegend bereits Menschen aufgehalten; sie haben mancherlei Gegenstände hinterlassen, die beschrieben werden. Regelrechte Siedlungen unserer keltischen Vorfahren aus dem 5. bis 1. Jahrhundert sind 1999 und 2004 in Neu-Vilich und in Vilich-Müldorf ausgegraben worden. In V.-Müldorf wurde zudem eine Befestigungsanlage aus dem 1. Jahrhundert freigelegt, wie sie nach Form und Art bisher in der Fachwelt völlig unbekannt war. Zudem hatte sich daran eine ganz frühe germanische Siedlung angeschlossen.

In der römischen Besatzungszeit, etwa 50 vor bis ca. 350 nach Chr., hat das rechtsrheinische Gebiet nachweislich als militärisches Manövergelände der Bonner Legion gedient; in den Gemarkungen von Geislar, Neu-Vilich und V.-Müldorf wurden bislang nicht weniger als fünf militärische Übungslager nachgewiesen. Mit einem Grenzstein, aufgefunden an der Flughafenautobahn kurz vor der Sieg, hat die Bonner Legion im 2./3. Jahrhundert n. Chr. festgehalten, dass das rechtsrheinische Vorland ihr auch als Acker- und Weideland gedient hat; eine Kopie steht hinter dem Beueler Rathaus. Auch steinerne Denkmäler der Römer sind aus dem Beueler Raum bekannt; sie werden in der vorliegenden Publikation zum ersten Mal in Bildern und vollen Texten vorgestellt. Hierzu zählt insbesondere ein Denkmal, das an einen Sieg der Römer gegen die Germanen im Jahre 231 n. Chr. erinnert; Kopie an der Beueler Josefskirche. Sensationell war auch vor wenigen Jahren die Entdeckung eines Inschriftensteins in Schwarzrheindorf aus dem Jahre 221 n. Chr. mit der Nennung des Namens BONNA für die Zivilsiedlung südlich des Römerlagers; es ist der erste und bisher einzige Namensstein dieser Art für Bonn überhaupt.

Auch die vom 5. bis 8. Jahrhundert n. Chr. währende merowingerzeitliche (fränkische) Besiedlung der rechten Rheinseite wird seit langem erforscht. Die zahlreiche Grabfunde um 1900 herum sind aber bedauerlicherweise nahezu alle von unsicherer Zuordnung, da sie aus seinerzeitigen Raubgrabungen stammen. Das hat sich aber entscheidend geändert, seit in jüngster Zeit zwei Grabungen erfolgen konnten, die dem rechtsrheinischen Bonn einen besonderen Rang verleihen: zum Ersten wurde zwischen 2007 und 2013 eine Siedlung zwischen Vilich-Müldorf und Bechlinghoven ergraben, die, weil in späterer Zeit nicht überbaut, 93 Baubefunde mit bisher völlig unbekannten Großbauten aufwies. Dieses frühe V.-Müldorf hat dort bis in die Mitte des 8. Jahrhunderts bestanden. Zum Zweiten konnten im Jahr 2011 im Bereich der heutigen Joseph-Schumpeter-Allee im Bonner Bogen (ehem. Zementfabrik) mindestens 571 Bestattungen und damit einer der größten Friedhöfe der Merowingerzeit im Rheinland ausgegraben werden. Wie bei der genannten Befestigungsanlage von V.-Müldorf des 1. Jahrhunderts liegt auch hier noch keine umfassende wissenschaftliche Bearbeitung vor.