Das rechtsrheinische Bonn verfügt über ein Bauwerk des berühmten Kirchenbauers Dominikus Böhm. Weil weithin unbekannt, hat der Denkmal- und Geschichtsverein Bonn-Rrh. eine Publikation darüber herausgebracht: "St. Paulus in Beuel-Ost. Der letzte Kirchenbau von Dominikus Böhm". Verfasserin ist die Kulturhistorikerin Dorothee Haentjes-Holländer M.A. aus Beuel. Das reich bebilderte Buch, an die 100 Seiten stark, ist als Heft 9 in der Vereinsreihe "Beiträge zu Denkmal und Geschichte im rechtsrheinischen Bonn" erschienen.

Im Industriegebiet des Beueler Ostens, das auf dem Weg ist, sich zu einem neuen Kulturquartier zu mausern, steht mit der 1958 eingeweihten Pfarrkirche St. Paulus der letzte Kirchenbau, dessen Planung auf  Dominikus Böhm zurückgeht. Sein Sohn Gottfried hat das Werk zu Ende geführt. Trotz seiner markanten Lage an der Siegburger Straße, direkt gegenüber den denkmalgeschützten Bauten der ehemaligen Jutespinnerei (Pantheon-Theater), ist dieses Gotteshaus bisher nur wenig bekannt: Es droht geradezu in Vergessenheit zu geraten. Und auch die Zukunft dieser Kirche scheint ungewiss; der Denkmalverein könnte sie sich gegebenenfalls als zentrale Konzertstätte vorstellen. Deshalb ist gerade jetzt die Monographie von  Haentjes-Holländer umso wertvoller: Gekonnt lenkt sie in seinem 60. Gründungsjahr die Aufmerksamkeit auf dieses kunsthistorisch so herausragende Baudenkmal.

"Der Autorin geht es dabei natürlich, neben der Erläuterung der seinerzeitigen Orts- und Pfarrgeschichte, um die Darstellung der Baugeschichte selbst. Vor allem aber geht es ihr dabei darum, ein Verständnis für die Ausdrucksformen des modernen Kirchenbaus insgesamt zu wecken. Architektur wirkt ja unmittelbar auf uns ein. Aber nicht für alle Bauten entsteht bei uns auch unmittelbar ein Verständnis. Gerade die Bauformen der modernen Kirchen gelten vielen als spröde, nüchtern, wenig angemessen. Die sensible Hinführung durch diese Monographie wird dabei helfen, eine Brücke zur Akzeptanz und zur Wertschätzung für eine Architektur zu schlagen, die zwar schon mehrere Jahrzehnte alt ist, aber noch nicht so alt, dass sie bereits allgemein als historisches Kulturgut anerkannt wird. Die Autorin baut uns diese Brücke, indem sie das Werk des Architekten nicht nur beschreibt, sondern vor allem auch die Ausdrucksformen der Kirchenbaukunst, das Zeichensystem von Dominikus Böhm erläutert und sich mit dessen Wirkung auseinandersetzt. Dabei hat sie stets die Wechselwirkungen von Architektur und Spiritualität im Blick und wird so dem Anspruch gerecht, den gerade Dominikus Böhm an sich selbst gestellt hat. So wird die Kirche von ihr gleichsam als Schlussstein im Gesamtschaffen von Dominikus Böhm gedeutet, alles zusammenhaltend und zusammenfassend und am besten im Verbund mit dem Gesamten zu verstehen." (Dr. M. Bredenbeck, Geleitwort)